Thomas und ich wollen uns verabreden. Verschiedene Termine werden begutachtet.
Wie wäre es am 07. März? Ist ein Samstag!
Nee, sorry, da kann ich nicht. Da habe ich eine Veranstaltung mit dem BDB.
BDB? Fragt Thomas interessiert.
Ja, BDB Bayern. Die Veranstaltung findet in Regensburg statt.
Thomas wirkt beeindruckt.
WOW, klingt spannend. Und worum geht es da?
Die Veranstaltung richtet sich an Architektinnen und Ingenieurinnen. Sie heißt: Zwischen Macht und Ohnmacht – Frauen in der Bauwelt!
Zwischen Macht und Ohnmacht…. Sagt Thomas – wie mir scheint leicht süffisant. Er zieht die Worte dabei sehr in die Länge. Sonst sagt er nix. Aber er lacht. Thomas lacht. Zugegebenermaßen nicht sehr laut. Aber er lacht. Oder ist es mehr ein Kichern?
Thomas ist erfolgreich als Architekt. Selbständig, etliche Mitarbeiter, die eigenen Söhne mit im Büro. Anspruchsvolle Projekte. Frauen beschäftigt er zurzeit, glaube ich, nicht.
Thomas ist ausgesprochen sympathisch. Alter Freund von uns, seit vielen Jahren.
Aber er lacht.
Und was soll mir das jetzt sagen?
Entweder:
Für Thomas ist das kein Thema. Er findet, dass es den Frauen doch gut geht in dieser Welt. Im Gegenteil, manchmal hat er das Gefühl, dass Frauen ihm das Leben schwer machen. Oft sind es klare, präzise, fordernde Frauen. Da muss er abliefern.
Oder:
Es ist wirklich kein Thema. Für niemanden. Ich könnte Thomas fragen, warum er gelacht hat. Aber eigentlich spielt das gar keine Rolle. Die Frage ist ja eher: Was macht das mit mir?
Für mich ist das ein Thema: Macht – Ohnmacht
Seit 30 Jahren arbeite ich mit Frauen, die in männlich dominierten Bereichen unterwegs sind. Ja, viele kommen hier gut zurecht. Sie haben sich angepasst und gelernt sich durchzusetzen. Und es gibt auch solche, die selber über eine ausgeprägte männliche Energie¹verfügen und die deshalb in machtvollen Positionen und patriarchalen Strukturen kein Problem haben.
Aber was ist mit den anderen? Die keine Lust haben auf irgendwelche Spielchen, Gelaber über Fußball, Gehabe mit Statussymbolen und und und.
Die ein gutes und konstruktives Miteinander suchen und keinen Chef, der aus Unzufriedenheit schon mal das eben gebaute Modell wütend zertrampelt und alle stramm stehen lässt.
Die keinen Bock darauf haben in einer Atmosphäre zu arbeiten in der wöchentlich mindestens eine(r) weint / heult.
Die mit verletzenden, blockierenden, beleidigenden Verhaltensweisen konfrontiert werden.
¹Und nur mal am Rande: Daran ist nichts schlecht. Wir brauchen alle einen Mix aus männlicher und weiblicher Energie. In uns und um uns herum. Kommt halt auf die Dosis an.
Macht und Ohnmacht in ihrer reinen / klaren Form
Ich übertreibe? Nein, ganz und gar nicht. Ich könnte noch mehr dazu schreiben und alle Geschichten wären wahr.
Und darum ist das Thema wichtig. Für alle, die in und an solchen Systemen leiden.
Und das schließt immer alle Seiten ein.
Denn natürlich kann man auch Mitleid mit dem Chef haben, der scheinbar so unter Stress steht, dass er sich nicht mehr unter Kontrolle hat. Der glaubt, immer der Beste sein zu müssen. Der sich nicht traut seine Gefühle, seine Ängste, zu fühlen und sie lieber „wegmacht“ – auf Kosten anderer.
Selbes System. Aber andere Position. Macht das einen Unterschied? Vielleicht. Da komme ich bei einem Lieblingsthema an, die Frage: Willst du Hammer sein oder Amboß? Aber dazu demnächst mehr in Regensburg.
Wie wäre eine Lösung? Wenn ich sie hätte, bekäme ich vielleicht einen Nobelpreis.
Ich bin Wirtschaftspsychologin. Ich weiß, dass man Systeme ändern kann. Dafür wäre es gut, wenn alle an einem Strang ziehen. Jeder an seinem Platz. Jede an ihrem Platz. Mit ihren Fähigkeiten und dem Bewusstsein etwas zu schaffen, das für ALLE gut ist.
Letztlich geht es darum, dass wir das gesamte System mitdenken – nicht nur die Menschen in den Büros, sondern auch die AuftraggeberInnen und alle die sonst noch am Projekt beteiligt sind. Wenn wir alle ins Boot holen und zeigen, dass ein respektvolles Miteinander letztlich allen zugutekommt, dann entsteht ein Klima, im dem der Druck nachlässt und alle besser zusammenarbeiten können. Das heißt, wir schauen nicht nur auf die Chefs und die Mitarbeitenden in den Büros, sondern wir nehmen alle Ebenen ins Bewusst sein. Und wenn wir so ein Umfeld schaffen, in dem wirklich seinen Platz hat und jeder respektvoll behandelt wird, dann haben wir am Ende ein System in dem es allen besser geht.
Damit wir alle miteinander lachen. Gemeinsam.
Ist ein solches System überhaupt möglich?
Die ehrliche Antwort ist: Nicht vollständig und nicht von heute auf morgen. Systeme, in denen Macht und Ohnmacht so ungleich verteilt sind, über Jahrzehnte gewachsen. Sie funktionieren – zumindest für einige – und sie werden stabil gehalten: Durch Zeitdruck, wirtschaftliche Abhängigkeiten und alte Rollen-muster.
Und trotzdem lassen sich Systeme verändern. Nicht durch Appelle. Nicht durch Schuldzuweisungen. Sondern dadurch, dass an mehreren entscheidenden Stellen etwas anderes getan wird.
Es beginnt bei Einzelnen. Bei Frauen, die aufhören sich selber in Frage zu stellen, nur weil sie ein respektvollen, konstruktives Miteinander einfordern. Die lernen, Machtmechanismen zu erkennen, ohne selbst hart und zynisch zu werden. Die Klarheit entwickeln über ihre Grenzen und darüber, was sie bereit sind mitzutragen und was nicht.
Es geht weiter bei den Führungskräften. Auch bei denen, die heute noch laut werden, abwerten oder zerstörerisch reagieren. Nicht, um ihr Verhalten zu entschuldigen, sondern um Verantwortung einzufordern. Viele stehen selbst unter massivem Druck und haben nie gelernt, mit Ohnmacht anders umzugehen als über Kontrolle. Ein anderes System entsteht dort, wo Führung bedeutet sich selbst zu regulieren, statt Druck nach unten weiterzugeben.
Und es hört nicht bei den Büros auf. Auch Auftraggebende und andere Projektbeteiligte sind Teil dieses Systems. Ihre Erwartungen, ihr Ton, ihr Umgang mit Fehlern wirken direkt in die Arbeitskultur hinein. Dauerhafter Druck erzeugt keine besseren Ergebnisse – er erzeugt Angst, Rückzug und innere Kündigung.
Ein verändertes System ist nicht automatisch im Idealzustand. Es wird weiterhin Konflikte geben und schwierige Entscheidungen. Aber es ist ein System, in dem Macht nicht automatisch Ohnmacht produziert. Und in dem Zusammenarbeit möglich wird, ohne dass Menschen innerlich zertrampelt werden.
Verrückte Vision? Vielleicht. Aber gar nicht erst anzufangen ist in meinen Augen auch keine Option. Also lasst uns gemeinsam an einer schönen neuen Welt arbeiten. In kleinen Schritten. Aber Schritt für Schritt. Konsequent und gelassen.
Dein erster Schritt kann die Teilnahme an unserer Veranstaltung in Regensburg sein. Zwischen Macht und Ohnmacht – Frauen in der Bauwelt. Die Anmeldung funktioniert über diesen Link:
Wir freuen uns auf dich!

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