Diese Woche erzählte eine unserer Architektinnen von einem leider typischen Meeting-Erlebnis:
„Ich habe meine Idee vorgestellt – durchdacht, klar und strukturiert. Doch bevor ich meinen Punkt zu Ende bringen konnte, unterbrach mich ein Kollege und lenkte das Gespräch in eine andere Richtung. Und was passierte? Mein Beitrag war vom Tisch. Ich hätte lauter werden können, aber das wollte ich nicht. Wie schafft man es, gehört zu werden, ohne laut und vielleicht unsachlich zu werden?“
Eine gute Frage. Ich glaube, wir alle kennen das, es passiert immer mal wieder: Frauen sprechen – Männer hören nicht zu. Oder sie hören zu, aber erst, wenn ein anderer Mann denselben Punkt wiederholt.
Dieser Effekt verstärkt sich, wenn
- Ältere Männer auf jüngere Frauen stoßen
- Langjährige Mitarbeiter auf neue Kolleginnen treffen
- Sich nur eine Frau in der Gruppe befindet.
Das passiert nicht, weil Frauen weniger kompetent sind. Es passiert, weil sie oft anders wahrgenommen werden. Studien¹ zeigen, dass Frauen in Meetings häufiger unterbrochen werden als Männer („manterrupting“) – und ihre Ideen manchmal erst dann ernst genommen werden – Achtung, nächste Stufe!), wenn ein Mann sie wiederholt. („hepeating“)
Das erste Gute ist, um diese Effekte zu wissen. Das zweite Gute: Es gibt Wege für dich, dich durchzusetzen. Ohne Schreien. Ohne dich zu verbiegen.
¹Studien belegen, dass Frauen in Meetings häufiger unterbrochen werden als Männer und ihre Beiträge oft erst dann Beachtung finden, wenn sie von Männern wiederholt werden.
Häufigeres Unterbrechen von Frauen: Eine Untersuchung der George Washington University aus dem Jahr 2014 ergab, dass Frauen in Gesprächen häufiger unterbrochen werden als Männer.
Wiederholung von Ideen durch Männer („Hepeating“): Das Phänomen, bei dem Männer die Ideen von Frauen wiederholen und dafür Anerkennung erhalten, während die ursprünglichen Beiträge der Frauen ignoriert werden, wird als „Hepeating“ bezeichnet. Dieses Verhalten führt dazu, dass Frauen in beruflichen Kontexten weniger wahrgenommen und ihre Leistungen geringer geschätzt werden.
Diese Studien verdeutlichen die Herausforderungen, denen Frauen in beruflichen Umgebungen begegnen, und unterstreichen die Notwendigkeit für Maßnahmen zur Förderung von Gleichberechtigung und Respekt im Arbeitsumfeld.
Business Insider / WELT
Aber zuvor lass uns noch auf die Frage schauen: Warum werden Frauen in Meetings überhört?
Dafür gibt es einige Gründe:
- Muster aus der Kindheit: Mädchen lernen früh, höflich zu sein, nicht zu unterbrechen und auf andere Rücksicht zu nehmen. Jungs? Die dürfen sich oft mehr Raum nehmen. Der freche Junge findet immer noch mehr Akzeptanz als das freche Mädchen. Das gilt auch heute noch für diejenigen, die aktuell im Berufsleben stehen. Vielleicht verändert es sich ja mit der kommenden Generation…
- Vorurteile: Frauen wird oft unterstellt, weniger durchsetzungsfähig zu sein. Das führt dazu, dass sie weniger ernst genommen werden – selbst, wenn sie fachlich auf dem Punkt sind. Allerdings muss man einräumen, dass viele Frauen durch ihre Sprache und ihre Körpersprache diesen Eindruck leider verstärken,
- Dynamik in Männerdomänen: In der Baubranche sind Frauen in Meetings oft in der Unterzahl. Das wurde ja schon deutlich bei den Erklärungen zum manterrupting: Ist nur eine Frau in der Besprechung dabei, kommt es häufiger zu diesem Phänomen. Und wenn man als Frau in der Minderheit ist, muss man sich strategisch und intelligent positionieren, um sichtbar und hörbar zu sein.
Was heißt das jetzt konkret? Wie kannst Du Dich elegant durchsetzen?
Probiere die folgenden Vorschläge und Du wirst erleben, in Meetings nicht nur gehört, sondern auch ernst genommen zu werden:
1. Redezeit aktiv zurückholen
Wenn Du unterbrochen wirst, mach es wie eine gut platzierte Baustellenampel: Bleib auf Rot, bis Du fertig bist.
- „Einen Moment, ich war noch nicht fertig.“
- „Lassen Sie mich meinen Gedanken noch zu Ende bringen.“
Souverän. Klar. Ohne Emotion. Mit den richtigen Worten.
Und diese Worte unterstreichst du noch durch Deine Körpersprache.
2. Blickkontakt und Körperhaltung gezielt einsetzen
-
Bleib aufrecht sitzen, nicht zurückgelehnt oder kleingemacht
-
Halte Blickkontakt!!!
-
Und wie immer – Das Atmen nicht vergessen!
Durch die gute Kombination von Sprache und Körpersprache erreichst Du eine starke Präsenz.
3. Einen klaren Standpunkt haben
Sei überzeugt von Deiner Leistung. Unsere Architektin in dieser Geschichte war sich sicher, dass sie einen durchdachten, klaren, strukturierten Vorschlag gemacht hatte. Vergiss das nicht, sondern verinnerliche diesen Gedanken und strahle ihn aus. Ich persönlich lehne mich in solchen Situationen oft auch innerlich (nur innerlich, wie oben besprochen) zurück und schau mir das Spektakel an: „Die Jungs wollen wohl spielen!“ Hat meistens nix mit mir zu tun. Allerdings darfst Du nicht vergessen Dich alsbald wieder ins Geschehen einzubringen.
4. SHEpeating
Ok, diesen Begriff habe ich jetzt in Anlehnung an das Hepeating einfach erfunden. Wenn Dir ein besserer Begriff einfällt, dann nehme ich ihn gerne. Bitte schreib ihn mir! Was ich mit dem Begriff meine? Ich meine, Dein Verhalten sobald Dein Vorschlag von anderen wieder ins Gespräch gebracht wird:
Zeige Dich begeistert! Und dankbar! Begeistert und dankbar in Sprache und Körpersprache!
- Danke, Jan, dass Du noch einmal auf meinen Vorschlag zurückkommst.
- Ich habe ja bereits von 10 Minuten ausgeführt, warum dieser Punkt so wichtig ist für uns.
- Ich freue mich, dass Ihr meine Idee so unterstützt!
Ich liebe diesen Hack!
5. Verbündete finden – und sich gegenseitig stärken
Das ist einer meiner Lieblings-Tipps für Wirkung in männerdominierten Meetings, gerade zum Thema „hepeating“= Eine Frau bringt einen Punkt ein, niemand geht darauf ein – und zehn Minuten später sagt ein Mann genau dasselbe. Und alle jubeln!
Hier hilft es, sich gegenseitig zu stärken – ok. Das jetzt voraus das mindestens zwei Frauen im Raum sind, stimmts? Da widerspreche ich aus Überzeugung. Es gibt nämlich auch genügend männliche Kollegen, die da auch keine Lust darauf haben. Finde also Verbündete, die sich genau wie Du erfolgreiche und zielführende Meetings mit partnerschaftlicher Kommunikation wünschen! Egal welchen Geschlechts!
Aber jetzt zu den Beispielsätzen für gegenseitige Unterstützung:
- „Ich finde Leas Vorschlag spannend, lass uns das weiterdenken.“
- „Wie Lea schon gesagt hat – das ist ein wichtiger Punkt.“
Je öfter eine Idee wiederholt wird, desto schwerer ist es, sie zu ignorieren.
Fazit: Präsenz schlägt Lautstärke
Welche Strategie verwendest Du, um in Meetings souverän Gehör zu finden – ohne Lautstärke, aber mit Wirkung?
Welche Techniken haben Dir geholfen, Dich in Meetings durchzusetzen? Schreib es in die Kommentare!

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